Mogli -auf Trainingsstelle-

— Auf Trainings Pflegestelle —

Geburtsdatum: ca. Mai 2018

Geschlecht: männlich

Rasse: Mix

Update von der Trainingsstelle (10.05.19):

Mogli unser Superheld.
Ja, Sie haben richtig gehört. Mogli besitzt Superkräfte! In seinem
jungen Alter hat er seine ganz besondere Supermacht schon perfektioniert wie kein Zweiter. Er kann sich vor unseren Augen von der einen auf die andere Sekunde in Luft auflösen.
Verstehen Sie uns nicht falsch. Natürlich können WIR Menschen ihn noch sehen, doch wenn er seine Kräfte einsetzt, verschwindet für IHN die jetzige Realität und er schweift ab in eine Welt in der nur er
existiert. Keine Angst, keine lauten Geräusche, keine „bösen“ Menschen, keine Autos oder Fahrräder und kein unangenehmer Körperkontakt. Nur er vermag wirklich zu wissen, was in solchen Momenten wirklich in ihm passiert.
Mogli kommt aus Rumänien und in der wichtigsten Zeit seines Lebens hat er durch sein unsicheres Wesen, von selbst nicht viel Kontakt zu Menschen aufgenommen und hat kaum neue Eindrücke kennengelernt. Nun in Deutschland angekommen, ist Moglis Anpassungsfähigkeit an neue Umwelteinflüsse, Lebewesen und Regeln derzeit sehr eingeschränkt. In seinem Gehirn existieren noch keine Lösungsstrategien, um mit solchen Situationen adäquat umgehen zu können. Die alltäglichsten Situationen bereiten ihm Schwierigkeiten, weil er sie einfach nie richtig kennen gelernt hat.
Deshalb reagiert Supermogli bei zu viel Stress immer gleich.
Er wird unsichtbar.
Der süße Kerl wendet sich so weit wie es ihm irgend möglich ist von der „Gefahrenquelle“ ab, dreht seinen Kopf weg, schließt ganz fest die Augen und lässt das vermeintlich „Böse“ über sich ergehen.
Das macht das Arbeiten mit ihm sehr schwierig, denn er ist kaum
kooperativ, noch neugierig.
Lernt Mogli Menschen kennen, braucht das viel Zeit und
Durchhaltevermögen, denn das Babyface verschenkt nichts. Oft ist schon ein zu intensiver Augenkontakt ein Auslöser der ihn wieder zum Rückzug zwingt. In solchen Momenten sieht er oft wie ein armes Häufchen Elend aus und das muss Mensch dann auch erst einmal psychisch ertragen können.
Deshalb suchen wir Menschen, die eine gewisse Selbstverständlichkeit dafür haben, dass der schöne Riese bewusst an solche Stresssituationen heran geführt werden muss um seine Ängste zu überwinden und an Ihnen zu wachsen. Das wird am Anfang keine schöne Arbeit werden und Mogli wird
zeigen, dass er sich unwohl fühlt. Doch mit der Zeit, Ruhe und Routine zahlt sich die harte, unliebsame Arbeit aus, denn hat Mogli erst einmal Vertrauen gefasst, kann man auch als Mensch
richtig viel Spaß mit ihm haben. Er wird dann richtig aufdringlich,
leckt einen ab, sucht Körperkontakt und genießt intensive
Streicheleinheiten.
Es ist wichtig, dass Moglis neues Zuhause erst einmal daran arbeitet ein solches Vertrauen aufzubauen, damit sie dann, als Fels in der Brandung, Mogli die ihm so wichtige Sicherheit bieten kann. Diese ist Voraussetzung um ihm, in neuen Situationen, den Rücken zu stärke. Das bedarf Zeit.
Mit Hunden versteht sich Mogli prächtig. Auf seiner Trainerstelle läuft er in einer Hundegruppe und wird von allen gemocht. Von ihnen, holt er sich auch in den alltäglichsten Situationen die Selbstsicherheit, um Nähe aufbauen zu können und auf Spaziergängen neue Wege zu erkunden. Er spielt, rennt und tobt für sein Leben gern. Sein ganzes Verhalten ähnelt noch sehr den Bewegungen eines Welpens und er versucht sich und seinen
tollpatschigen, 64cm großen Körper unter einen Hut zu bekommen, was oft sehr niedlich und unbeholfen aussehen kann. Auch in ruhigen Momenten sucht er immer wieder die Nähe von Hunden und schläft im engen Körperkontakt mit ihnen.
Deshalb haben wir uns dazu entschieden Mogli nur als Zweithund oder gern auch Dritthund zu vermitteln.
Im Haus verhält sich der Schönling sehr ruhig. Ganz nach dem Motto, wer nicht auffällt wird auch nicht angefasst.
Nachts ist er, trotz seiner Unsicherheit, sehr wachsam und verbellt auch im „Notfall“ Menschen, die er kaum oder gar nicht kennt. Hier sollten Moglis neue Menschen von Anfang an klar regeln, was erwünscht ist und was nicht. Er kennt es in der Hundegruppe für ein paar Stunden alleine zu sein und verhält sich auch dort eher unauffällig. Er ist stubenrein, läuft Treppen, kennt Auto fahren und läuft im eingezäunten Garten frei.
Bei Menschen, die der Jüngling kennt, ist er leinenführig und kennt auch bei Fuß. Derzeit arbeiten wir intensiv am Rückruf, was noch sehr schleppend voran geht. Allzu oft vermutet er doch noch irgendwo eine Falle oder ist unsicher. Dann geht er lieber wieder ins Meideverhalten oder versucht sich der Situation zu entziehen. In solchen Augenblicken sollte man ihm nicht den Erfolg des Flüchtens gönnen, sondern gemeinsam die Hürden überwinden und ihm zeigen, dass er auch solche Momente übersteht und sich auf die Ruhe und Souveränität des Menschens verlassen kann. Hier wird eine Schleppleine und das passende Panikgeschirr noch lange ein Begleiter sein. Am Anfang wird auch eine Hausleine unabdingbar
sein.
Mogli wird bis zur Vermittlung auf seiner Trainingsstelle bleiben
können, dennoch wäre eine schnelle Vermittlung sehr wünschenswert, damit sich Mogli nicht zu sehr bindet und der Trainingsplatz wieder für andere Hunde genutzt werden kann, die intensives Training benötigen. Wir wünschen uns so sehr, dass bald die richtigen Menschen kommen und Mogli zeigen welch tollen Charakter er selbst hat und was alles in ihm stecken kann. Manchmal ist er so zart, liebevoll, unsicher und schüchtern, dass man als Mensch denkt er sei so zerbrechlich wie eine zarte Blume. Diese Zerbrechlichkeit wird ganz sicher mit viel Zeit, Routine, Führung und Ruhe zu einer liebevollen Stärke. In der Hoffnung
dass  Moglis Ängste bald schwinden und er seine Superkraft nie wieder einsetzen muss. Er ist auch ohne, jetzt schon unser Superheld!

Jörg Schüller ist Moglis Pate. Vielen Dank dafür!

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