Das Leben mit einem Dreibein

Ein Text von Doreen Pförtner:

Das Leben mit einem Dreibein

Als ich Dexter im Jahr 2014 das erste Mal im Tierheim Alsfeld sah, war für mich sofort klar, dass ich ihn adoptieren möchte und keinen anderen.

Nicht nur sein hübsches Gesicht, sondern vor allem sein Schicksal haben mich dazu bewogen, ihm ein Zuhause zu schenken. Ich habe es keinen Tag bereut!

Dexter stammt, wie viele andere auch, aus Rumänien, er kam über die Smeura nach Alsfeld. Was er dort alles erlebt haben muss, lässt sich nur erahnen.
Doch sein härtester Schicksalsschlag ist bekannt: Er wurde von einem Fahrzeug erfasst, überfahren und im Graben liegen gelassen. Leider ist ein solches Verhalten in Rumänien gegenüber den Straßenhunden Gang und Gebe. Umso mehr erfreute es die Mitarbeiter der Smeura, als ein Bürger eines Tages mit dem verletzten Dexter im Arm vor deren Tür stand. Dieser Mensch hatte ihn gefunden und ist nicht, wie viele andere, einfach vorbei gegangen. Der verletzte Hund wurde untersucht und schnell war klar: er hatte schon mehrere Tage im Graben gelegen, sein Hinterbein war mehrfach gebrochen und inzwischen kaum noch durchblutet. Einzige Rettung – eine Amputation. Und so wurde aus dem namenlosen Straßenhund der dreibeinige Amadeus (ich habe ihn dann in Dexter umbenannt), der seine Verletzungen überlebte und sich auch mit den drei Beinen gut arrangierte.

Dieser Hund steckt voller Lebensfreude. Er tobt, rennt und spielt nicht nur mit anderen Hunden aus dem Ort über Feld und Wiese. Er rennt z.B. auch mit Border Collies um die Wette. Zudem läuft er begeistert nebenher, wenn wir Inliner oder Fahrrad fahren. Selbstverständlich nicht schnell und keine weiten Strecken. Aber mit Pausen schafft er schon um die 15 Kilometer.

Weite, stundenlange Spaziergänge sind ebenfalls kein Problem für ihn. Im Gegenteil er ist derjenige, der immer weiter gehen würde, wenn seine Menschen nicht irgendwann schlapp machen würden.

Dexter wurde (geschätzt) 2011 geboren. Wir waren im Sommer 2017 erst wieder beim Tierarzt. Dort wurden unter anderem seine Hüfte sowie sein Hinterlauf untersucht. Er hat weder Verspannungen noch eine Fehlstellung der Hüfte. Er balanciert das fehlende Bein sehr gut aus. Auch der Tierarzt erfreut sich immer wieder an der Gesundheit und Mobilität des Dreibeins.

Worauf man allerdings achten sollte: Sein Zuhause sollte möglichst wenig Stufen haben (oder man muss den Hund dann immer tragen) und wenn Laminat vorhanden ist, sollte man seinem Hund das Laufen mit Teppichen erleichtern. Dexter läuft fast problemlos auf Fliesen, doch auf Laminat rutscht er oft weg, so dass ich nun in diesen Räumen (alten) Teppich gelegt habe. Das hat er auch dankbar angenommen.

Selbstverständlich ist jeder Hund vom Charakter her unterschiedlich, die einen sind agiler (so wie Dexter), die anderen lassen es lieber ruhig angehen. Aber unterm Strich kann ich sagen: Ein Hund mit einem fehlenden Hinterlauf hat keine Nachteile gegenüber seinen vierbeinigen Kameraden. Scheuen Sie sich nicht davor, einen „behinderten“ Hund zu adoptieren. Meistens ist das Leben mit der Fellnase am Ende einfacher als angenommen.

Wer noch weitere Fragen hat, kann sich gerne an mich wenden. Ich bin über Facebook (Doreen Pförtner) oder per Email doreen[at]schueler-fuer-tiere.de erreichbar.

Viele liebe Grüße, Doreen Pförtner

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