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Eine Nacht im Tierheim!

Draußen regnete es schon den ganzen Tag. Mittlerweile ist es 22:28Uhr. Nicht weit von hier ist ein Festival und die Musik dröhnt zu uns rüber. Heute Nacht ist eine besondere Nacht. Für mich und für einen Kater. Für mich, weil es die erste Nacht im Tierheim ist. Für Mr. Monkey, weil er in einem provisorischen Feldbett zusammen mit einem Menschen schlafen kann und Nachts nicht allein sein muss. Vielleicht ist es für ihn auch voll unspektakulär. Menschen denken eben immer zu viel.

Mr. Monkey ist ein roter, toller Kater der Leukose hat. Er hat abgenommen und frisst meist lieber nur in Gesellschaft. Heute möchte ich ihm Gesellschaft leisten und nicht nur für eine halbe Stunde. Nein! Er soll eine ganze Nacht bekommen. Meine Stubentiger haben es zuhause so toll und er bewohnt sein Zimmer ohne Artgenossen, da wir keine Leukose Katze haben und er auch nur bedingt mit Artgenossen zurecht kommt.

Für mich ist es kein Aufwand. Und was mich erfreute, wie mein Umfeld reagierte. Absolut fürsorglich! Wurde mir doch Kekse, Kaffee, Tee angeboten. Eine warme Decke etc. Ich dachte eher, dass sowas kommt wie „du spinnst“ o.ä. Mein Mann machte sich auch Sorgen ob ich alles hätte. Ich bin doch nur Luftlinie 2km entfernt und wandere nicht in den tiefsten Dschungel nach Afrika aus. Ab und an bellte mal ein Hund, mittlerweile sind aber alle zur Ruhe gekommen und nur ganz selten höre ich hier eine Katze rumspielen oder auf Toilette gehen. Eher die Musik bricht nicht ab. Ist aber ganz angenehmer Beat heute Abend.

Ich schreib hier die paar Zeilen auf, während Mr. Monkey neben mir zugedeckt schlummert. Langsam kriecht ein wenig die Kälte hoch. Ich sitze ja nur da und mache nichts. Jetzt frag ich mich, wie das wohl mit Fell ist. Merkt man da die Kälte wie ich sie gerade merke (wobei – Kälte ist es nicht, ist eher kühl) ? Ich bin eh von Natur aus ein Sommerkind. Kann nicht warm genug sein für mich.

Ich schaue rum zu Mr. Monkey. Er ist im Halbschlaf, aber immer noch auf „hab acht“ Stellung. Wie gut haben es meine Felltiger zuhause – denke ich da!

Und da wird mir wieder bewusst, dass ich hier im Tierheim sitze, neben einem kranken Kater, der sich so sehr ein Zuhause wünscht. Doch nur weil er Leukose hat und nur gesicherten Freigang bekommen darf, bekommt er keins?! Ich wünsche mir so sehr Menschen für ihn, die ihm einfach nur Liebe schenken. Für wie lange?! Wer weiß das schon. Für uns Menschen verändert sich eigentlich nicht viel, wenn wir einen treuen Weggefährten zu uns holen. Doch für diese Tiere ändert sich alles! Selbst wenn es nur eine Woche ist!

Eine Träne läuft mir über die Wange. Jeder hat ein Zuhause verdient. Nun vermischen sich meine Gefühle mit Wut! Wut auf die Leute, die ihre Katzen nicht kastrieren lassen. Warum? Geld. Meistens ist es Geld. Dann wiederum billige Arbeiter – zum Mäuse fangen. Krankheit und Co. raffen sie dahin, da muss immer für Nachschub gesorgt werden. Nun kommt Wut auf die Politik, die Tiere noch als Sache ansieht. Die sich rausreden. Die sich winden wie ein Aal in der Hand um da ja nichts zu machen.

Oh Mensch, so zivilisiert willst du sein und bist das schäbigste Exemplar von allen.

Mr. Monkey ist gerade aufgestanden um auf Toilette zu gehen. Ich muss schmunzeln. Ja – jeder muss aufs Klo! Ob Mensch ob Tier – ein jeder hat das Bedürfnis. So wie ein jedes Lebewesen das Bedürfnis auf Liebe und Wärme hat!

In dem Sinn – gute Nacht!