Hallo ihr Lieben, hier schreibt Tammy !
( Die inzwischen Emily heißt )

Ich schaffe es erst jetzt mich bei euch zu melden, sorry, aber die letzten beiden Wochen waren so aufregend !

Ich bin nach Gießen umgezogen, habe eigene Menschen und viele neue Freunde bekommen.

Das Haus wo ich jetzt wohne hat mir in den ersten Tagen einige Schrecken bereitet; es gibt dort einen Kasten mit winzigen Menschen und Tieren drin, die, egal wie laut ich gebellt und geknurrt habe, nicht rauskamen, abends sieht man in den Scheiben merkwürdige Dinge und ständig denselben Hund, der zwar mit mir bellt und meine Spielsachen herumschleppt, den man aber nicht erschnüffeln kann und so gibt es hier viele komische Sachen, die ich noch nie gesehen habe. Interessanterweise regen sich meine Menschen überhaupt nicht über all das auf, so dass ich diese unheimlichen Dinge auch nach und nach ignoriere.

Super ist, dass ich hier total viele Freunde habe, in unserer Gegend wohnt in fast jedem zweiten Haus ein Hund und wir treffen uns oft in unserem Wald, der direkt vor der Haustür liegt, und toben zusammen. Ich lege großen Wert darauf, mich mit allen gut zu verstehen, das scheint meine Menschen besonders zu freuen.

In unserem Rudel gibt es nämlich meist mehr Hunde als Leute, bei uns machen andere Vierbeiner oft Urlaub. Ich durfte viele davon schon kennenlernen und freue mich immer sehr über Besuch, der allerdings ab jetzt nach meinen Regeln hier zu leben hat. Da ich die Kleinste von allen bin, muß ich mich ganz besonders behaupten.

Mein „Onkel“ Torjan ist ein Magyar Viszla, der wie ich aus Ungarn kommt, aber er hat sich direkt auf der Straße an seine Leute rangeschmissen, die ihn importiert haben und so lebt er jetzt auch hier. Er hat sich gleich in mich verliebt und wurde unanständig zudringlich, bis ich ihm mal ordentlich Bescheid sagen musste und er drei Tage lang beleidigt war. Wir haben uns jetzt auf eine platonische Freundschaft geinigt und verstehen uns prima.

Mein „Cousin“ Cäsar ist ein echt toller Typ; ein riesiger Rotti, alle sind von ihm ungeheuer beeindruckt und fürchten sich ein bisschen vor ihm, obwohl er der sanftmütigste, liebste Kerl ist, den ihr euch vorstellen könnt. Manchmal hat unser Viszla schlechte Laune und beißt ihn nicht nur zum Spaß, aber er wehrt sich kaum, obwohl er die halbe Portion bestimmt mit einem Haps verschlucken könnte. Cäsar ist sehr gut erzogen und duldet keinen Streit oder Ungehorsam und liebt unsere Menschen ganz besonders, da er die ersten Jahre seines Lebens ein sehr schlimmes Zuhause allein in einem Zwinger mit Schmutz, Kälte und Hunger hatte, bis unsere Menschen ihn dort weggeholt haben.

Mein liebster Spielkamerad heißt Sammy (deshalb heiße ich jetzt auch anders, damit wir und besonders Frauchen nicht durcheinanderkommen) und ist ein schwarzer Retriever-Mix, wir toben wie verrückt über Möbel und Menschen und schaffen es kaum, wieder damit aufzuhören.

Viele Freunde zu haben macht mir großen Spaß und sie helfen mir, mich zurechtzufinden und meine Menschen besser zu verstehen, denn ich muss noch viel lernen, obwohl ich viel gelobt werde, weil ich immer ganz schnell kapiere, was ich tun oder lassen soll.

Es hat nur zwei Tage gedauert, bis ich verstanden habe, dass wir in gar keinem Fall Pipi im Haus machen (zur Belohnung kriegen wir bald neuen Teppichboden!), dass es sich meist lohnt, zu kommen, zu sitzen oder zu „platzen“, wenn Frauchen das möchte, dass nur ich ganz allein gemeint bin, wenn sie „Emily“ ruft und dass sie spielen möchte, wenn sie „Stöckchen“ oder „Bällchen holen“ ruft.

Meine Menschen finden das alles eine tolle Leistung, sie haben schon ganz andere Erfahrungen mit neuen Rudelmitgliedern gemacht.

Manche Regeln fallen mir aber noch reichlich schwer; keine Selbstbedienung beim Essen, auch nicht aus diesem herrlichen Eimer in der Küche, mit den großen Tieren im Wald spielen ist sehr streng verboten, Männer-Menschen dürfen nicht ohne triftigen Grund gebissen werden, Jogger und Radfahrer benötigen nicht meine Begleitung und nicht alles, was zwischen meine Kiefer passt, darf auch verspeist werden.

Naja, ich denke, ich schaffe das, aber nicht sofort, damit meine Menschen nicht zu sehr verwöhnt werden.

Prima ist, daß ich fast immer mitdarf, wenn meine Leute das Revier mal wechseln.
Sie finden es wichtig, dass ich schnell alles kennenlerne, was zu ihrem und jetzt auch meinem Leben gehört.

Meist benutzen wir dann das Auto; ich finde es sehr gemütlich und entspannend darin und wenn wir anhalten, sind wir in einer ganz anderen Welt !

Wir erkunden fremde Reviere, fahren zu Freunden, an die Arbeit (sehr gerne, da ich dort mal ein, zwei Stündchen Büroschlaf halten kann und meine Menschen zwar dabei sind, aber sich mal selbst beschäftigen) oder gehen aus und ich benehme mich möglichst dem Anlass entsprechend, damit sie es nicht bereuen, mich mitgenommen zu haben. Funktioniert prima, überall werde ich gelobt und bewundert, was ich natürlich sehr genieße.

Manchmal gehen die Chefs ganz allein weg, macht mir aber wenig aus, da ich dann meistens sowieso müde und satt bin und gar keine Lust hätte, mich um sie zu kümmern. Ich gehe auf meinen Schlafplatz und nutze die kurze Zeit zum Ausruhen.

Oh, ich muss los, Gartenarbeit scheint angesagt! Super! Ich habe schon einiges im naturnahen Stil umgestaltet, Verschiedenes ein-, aus-, umgegraben, gemütliche Ruheecken geschaffen und habe noch viele kreative Ideen zu verwirklichen, Frauchen kümmert sich eigentlich nur noch um die Terassengestaltung, das ist  mir ohnehin zu spießig und irgendwie scheint dort meine Hilfe auch nicht gerade willkommen zu sein.

Danke euch allen, dass ihr mich so lieb umsorgt habt und mir eine Familie ausgeguckt habt, für die ich jetzt der süßeste, frechste und heiß geliebteste Sonnenschein sein kann, wir sind alle rundum glücklich!

                                         Herzliche Grüße, „tatz“ und „schleck“,                                                                        
                                                                                                   Eure Emily und Rudel